Kategorie: Informationen

Seitenstrasse-Lesen hinter dem Tresen mit dem Buch „VON FLUCHTEN UND WIEDERFLUCHTEN“

Wem noch ein Weihnachtsgeschenk fehlt, dem sei das Buch „VON FLUCHTEN UND WIEDERFLUCHTEN“ (Herausgeber Artur Nickel) empfohlen. An dieser Anthologie sind etwa 100 Autorinnen und Autoren aus der ganzen Bundesrepublik und darüber hinaus beteiligt. Sie sprechen nicht nur aktuelle Fluchten an, sondern auch Fluchten um 1945, die DDR-Fluchten aus den Achtzigerjahren, die Balkan-Fluchten aus der Zeit danach und andere bis heute. Der bekannte Autor Ilija Trojanow hat einleitend die Geleitworte für das Buch geschrieben.
Mit diesem Buch haben wir zum ersten Mal an „SEITENstrasse-Lesen hinter dem Tresen“ in Eupen teilgenommen. Am 24. November fand die diesjährige Ausgabe des beliebten Eupener Literaturevents statt. Dabei luden 30 Geschäfte und Einrichtungen dazu ein, in ihren Räumlichkeiten Literatur mal anders als unter der heimischen Leselampe zu erleben. 800 Besucher nahmen an den Lesungen teil-über 60 Personen kamen dabei auch zu unseren Lesungen aus dem Buch „VON FLUCHTEN UND WIEDERFLUCHTEN“.

Gelesen haben Farwa Ahmadyar, Barbara Finke-Heinrich und Issam Al Najm. Herzliche Aufnahme fanden wir im Seniorenzentrums St Franziskus in der Hufengasse. Dafür vielen Dank!

Wir haben uns darüber gefreut, dass sowohl junge, als auch ältere Menschen zu unseren Lesungen gekommen sind. Manch intensiver Austausch ergab sich.
Wer die Lesungen in Eupen verpasst hat, ist herzlich zu unserer Konzertlesung mit diesem Buch am Samstag, dem 15. Dezember von 18.00 bis 20.00 Uhr in die Citykirche in Aachen eingeladen.


Weltbildungsbericht,Unesco fordert mehr Bildung für Flüchtlingskinder

MiGAZIN
Weltbildungsbericht
Unesco fordert mehr Bildung für Flüchtlingskinder
Etwa die Hälfte der Migranten und Flüchtlinge sind Kinder und
Jugendliche. Vor diesem Hintergrund fordern Bildungsforscher der
Vereinten Nationen größere Anstrengungen der Staaten, das Potenzial der
Jugend zu nutzen.
Von Redaktion – 21. November 2018
Flüchtlingskinder und Migranten sind laut einem Bericht der Unesco in
vielen Staaten der Welt von Schulen und Bildung weitgehend
ausgeschlossen. Einige Regierungen verweigerten das Recht auf eine
hochwertige Bildung sogar gänzlich, heißt es in dem am Dienstag in
Berlin vorgestellten Weltbildungsbericht der UN-Sonderorganisation für
Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Danach ist rund die Hälfte der weltweit geflüchteten Menschen unter 18
Jahre alt. Bildung sei deshalb ein Kernfaktor bei der Bewältigung der
Folgen von Flucht und Migration. Deutschland loben die Autoren des
Berichts für viele Maßnahmen bei der Integration von Geflüchteten und
Migranten. Allerdings sehen sie Verbesserungsbedarf bei der
Chancengerechtigkeit im deutschen Bildungssystem.
Herausforderung: Ausbildung von Mädchen
Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer (CDU),
sagte bei der Vorstellung des Berichts, Bildung sei die wichtigste
Ressource der Gesellschaft in Deutschland. Dabei müsse alles daran
gesetzt werden, auch die Talente von Flüchtlingen und Migranten zu
entfalten. „Es darf keine verlorene Generation geben“, unterstrich
Böhmer. Der Weltbildungsbericht 2019 steht unter dem Motto „Migration,
Flucht und Bildung: Brücken bauen statt Mauern“. Er wurde zeitgleich in
sechs weiteren Städten weltweit vorgestellt.
Info: Die deutsche Kurzfassung des Weltbildungsberichts kann hier
heruntergeladen werden. Die englische Gesamtfassung des
Weltbildungsberichts kann hier heruntergeladen werden.
Unesco-Generaldirektorin Audrey Azoulay sagte bei der Präsentation in
Berlin, eine der dringendsten Herausforderungen weltweit sei eine
bessere Ausbildung von Mädchen und jungen Frauen. Dies wäre ein
kraftvolles Instrument, um Armut zu überwinden.
Böhmer: „Wir sind auf dem richtigen Weg.“
Nach den Worten von Böhmer hat Deutschland bei der Integration von
Geflüchteten in das Bildungssystem bereits viel erreicht. „Wir sind auf
dem richtigen Weg.“ Zugleich sprach sich Böhmer für weitere
Bildungsangebote für Jugendliche und junge Erwachsene mit
Migrationshintergrund aus.
Laut Weltbildungsbericht haben asylsuchende Kinder, die in Lagern
beispielsweise in Australien, Ungarn, Indonesien, Malaysia und Mexiko
leben, allenfalls eingeschränkten Zugang zu Bildung. Es gebe auch einige
Aufnahmeländer, die gar keine Sprachkurse für Geflüchtete anbieten. Dies
sei aber für eine soziale Integration und Chancen auf dem Arbeitsmarkt
dringend nötig. In vielen Fällen erhielten Flüchtlinge zwar Zugang zu
Bildung, könnten aber nicht mit Gleichaltrigen aus dem Land lernen.
Fortschritte bei der Integration
Positiv hebt der Weltbildungsberichts hervor, dass acht der zehn Länder
mit den meisten Geflüchteten deutliche Fortschritte bei ihrer
Integration in die nationalen Bildungssysteme gemacht haben. Darunter
sind einkommensschwache Länder wie Tschad, Äthiopien und Uganda.
Mit Blick auf die Europäische Union heißt es in dem Bericht, dass 2017
doppelt so viele im Ausland geborene Kinder und Jugendliche die Schule
früher verlassen, als die im Land Geborenen. Schüler der ersten
Zuwanderungsgeneration seien in Ländern der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) weiterhin
benachteiligt. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie Grundkenntnisse in
Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften erwerben, ist 32 Prozent
geringer als bei im Land Geborenen, heißt es weiter.
Bericht: Auf Geflüchtete eingehen
Der aktuelle Unesco-Weltbildungsbericht fordert die Staaten unter
anderem auf, die Bildungsbedürfnisse von Migranten und Geflüchteten mit
in die nationalen Strategien einzuplanen. Als Beispiel wird etwa auf
Kanada verwiesen, das Land mit dem höchsten Anteil von Menschen mit
Migrationshintergrund unter den sieben reichsten Industrieländern.
Der Unesco-Weltbildungsbericht untersucht jährlich die Fortschritte bei
der Umsetzung des globalen Nachhaltigkeitsziels vier. Darin heißt es,
dass „bis 2030 für alle Menschen inklusive, chancengerechte und
hochwertige Bildung sowie Möglichkeiten zum lebenslangen Lernen“
sichergestellt werden sollen. (epd/mig)

Alle Stricksachen, die für afghanische Flüchtlinge im Iran bestimmt waren, konnten verteilt werden.

Danke an alle, die unsere Aktion „Stricken gegen die Kälte“ und die Wollsammeltag unterstützen!

Inzwischen wissen wir ja, dass es nicht einfach ist, die von uns verschickten Sachen auch denen zukommen zu lassen, für die sie bestimmt sind. Nun ist es auch im Iran gelungen, dass alle Sachen verteilt werden konnten. 

Ein großes Dankeschön an diejenigen, die uns bei Versand uns Verteilen vor Ort durch ihren tatkräftigen Einsatz unterstützt haben. 

Hier eine Rückmeldung aus dem Iran: 

Meine Freundin im Iran hat erzählt, dass die Kinder sich riesig gefreut haben. Sie haben sogar gesagt, weil sie jetzt schöne warme Kleider geschenkt bekommen, werden sie in der Schule sehr fleißig sein mit der Hoffnung, dass sie nochmal so was bekommen können. Ist das nicht süß?!

 Vielen Dank euch für diese wertvolle Freude

Wir treffen und weiter jeden Mittwoch von 16 bis 18 Uhr im Welthaus an der Schanz zum gemeinsamen Stricken. Wir freuen uns über weitere Unterstützung beim Stricken.

Unser nächster Wollsammeltag findet am 20. März von 14 bis 17 Uhr in der Citykirche in Aachen statt. Da hoffen wir auf Ihre Woll- und Portospende und informieren über die Länder, für die wir uns engagieren.

Wenn Sie die Aktion finanziell unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Spende auf folgendes Konto:
Bistum Aachen, Bank für Sozialwirtschaft Köln,
IBAN.: DE56 3702 0500 5112 2225 22,
BIC.: BFSW DE 33XXX,
Betreff: save me + Name und Anschrift (wenn eine Spendenbescheinigung gewünscht wird)

ZDF Heute+-Amnesty-Interview zu Libyen

Bürgerkrieg in Libyen – von Europa vergessen?
Beitrag im ZDF HEUTE:

Bürgerkrieg, Flüchtlingskrise – die Lage in Libyen ist dramatisch. Sollte Europa mehr tun? Wir sprechen mit Franziska Vilmar von Amnesty International.
Live übertragen am 13.11.2018
https://www.youtube.com/watch?v=i7BOcz17e0c

„Verfahrensbeschleunigung“,Bundestag beschließt Mitwirkungspflicht für Asylbewerber in Widerrufsverfahren

MiGAZIN 
„Verfahrensbeschleunigung“
Bundestag beschließt Mitwirkungspflicht für Asylbewerber in Widerrufsverfahren 
Wirken anerkannte Flüchtlinge am Widerrufsverfahren zur Klärung ihres Asylstatus nicht mit, kann in Zukunft ein Zwangsgeld verhängt werden. Das hat der Bundestag beschlossen. Mit der Neuregelung sollen die Verfahren beschleunigt werden.
Von Redaktion – 13. November 2018 
Anerkannte Flüchtlinge in Deutschland sind künftig dazu verpflichtet, am Widerrufsverfahren zur Klärung ihres Asylstatus mitzuwirken. Der Bundestag verabschiedete ein entsprechendes Gesetz. Erscheinen Flüchtlinge künftig im Widerrufsverfahren nicht bei Amtsterminen oder bemühen sie sich nicht ausreichend um Dokumente, kann künftig ein Zwangsgeld verhängt werden. Über den Status kann dann außerdem nach Aktenlage entschieden werden.

Eine verpflichtende Mitwirkung gibt es bislang nur im Asylverfahren selbst. Im Widerrufsverfahren, das turnusgemäß drei Jahre nach der Flüchtlingsanerkennung erfolgt, war das bislang nicht der Fall. Die Koalition verbindet mit der Verpflichtung das Ziel, die Widerrufsverfahren zu beschleunigen.
Bis 2020 seien 773.00 Asylbescheide zu überprüfen
Infolge der Fluchtbewegung ab dem Sommer 2015 stehen für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge Hunderttausende Widerrufsverfahren an, darunter auch die Fälle, die aufgrund des hohen Aufkommens damals rein schriftlich, also ohne persönliche Anhörung entschieden wurden. Bundesamtspräsident Hans-Eckhard Sommer sagte in der Bundestagsanhörung zum Gesetz, bis 2020 seien 773.00 Asylbescheide zu überprüfen. Die Verfahren zu beschleunigen sei „ein wichtiger und zielführender Beitrag“.
Kritik an dem Gesetz kam von Anwaltsvereinigungen. Sie befürchten, dass die Überprüfung bei Verletzung der Mitwirkungspflicht dazu führt, dass auch Schutzberechtigten der Asylstatus entzogen werden könnte. (epd/mig)

ReplyReply allForward

Mehr als 2.000 Migranten 2018 im Mittelmeer gestorben

MiGAZIN 
Vereinte Nationen
Mehr als 2.000 Migranten 2018 im Mittelmeer gestorben 
Seit Januar sind nach UN-Angaben 2.040 Menschen auf dem Mittelmeer bei der Flucht nach Europa gestorben. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Toten rückläufig. Zurückgegangen ist auch die Zahl der Flüchtlinge.
Von Redaktion – 13. November 2018 
Seit Beginn des Jahres sind nach Angaben der Vereinten Nationen 2.040 Migranten und Flüchtlinge auf dem Mittelmeer bei der gefährlichen Überfahrt nach Europa gestorben. Allein vergangene Woche seien mindestens 52 Menschen im westlichen Mittelmeer umgekommen oder würden vermisst, teilte die Internationale Organisation für Migration (IOM) in Genf mit. Seit Januar erreichten den Angaben nach mehr als 101.000 Männer, Frauen und Kinder Europas südliche Küsten.

Im Vergleich zum Vorjahr hätten weniger Menschen ihr Leben verloren, die Zahl der Migranten und Flüchtlinge insgesamt sei aber auch rückläufig. Von Januar 2017 bis Anfang November 2017 seien 2.996 Menschen während der Passage in seeuntauglichen Schlepperbooten gestorben. Im selben Zeitraum seien 155.000 Migranten und Flüchtlinge in Europa eingetroffen.
Die IOM erklärt den Rückgang mit der strikteren Migrationspolitik vieler europäischer Staaten, wie etwa der Schließung der sogenannten Balkanroute und der Sperrung von Häfen für private Seenotrettungsschiffe.
Die meisten kommen aus Afrika
Mehr als 49.000 Menschen gingen den Angaben zufolge in diesem Jahr in Spanien an Land. In Griechenland waren es knapp 28.000, während mehr als 22.000 es nach Italien schafften. Auf dem Seeweg gelangten in diesem Jahr Migranten und Flüchtlinge auch nach Malta und Zypern.
Die meisten Menschen, die dieses Jahr Europa über den Seeweg erreichten, stammen laut IOM aus Afrika. Unter ihnen sind aber auch Iraker und Pakistaner. Die Menschen fliehen vor Gewalt, Armut und Perspektivlosigkeit in ihren Heimatländern. (epd/mig)

Tausende zivile Opfer in diesem Jahr zeigen, wie unsicher Afghanistan ist

Abschiebungsflug stoppen: Tausende zivile Opfer in diesem Jahr zeigen, wie unsicher Afghanistan ist
Gewalt gegen die afghanische Zivilbevölkerung hat allein in diesem Jahr mindestens 2854 Todesopfer gefordert. Auch zahlreiche Anschläge während der Parlamentswahlen im Oktober haben erneut bewiesen, dass Afghanistan kein sicheres Land ist, in das Menschen abgeschoben werden dürfen.  

BERLIN, 12.11.2018 – Der nächste Abschiebungsflug nach Afghanistan ist für morgen (13.11.2018) angekündigt worden, obwohl Rückführungen aufgrund der katastrophalen Sicherheitslage gegen Völkerrecht und die Europäische Menschenrechtskonvention verstoßen. Dazu sagt Anika Becher, Asien-Expertin bei Amnesty International in Deutschland:
„Die vergangenen Parlamentswahlen Ende Oktober haben erneut bewiesen, wie unsicher Afghanistan ist: Nach Angaben der Vereinten Nationen sind allein hier bei mehr als 100 Anschlägen mindestens 56 Menschen getötet und 379 verletzt worden – mehr als bei allen vier Wahlen zuvor.“

„Schon vor dem Gewaltausbruch rund um die Parlamentswahlen sind in den ersten neun Monaten 2018 laut den Vereinten Nationen 2798 Menschen in Afghanistan bei Anschlägen und Angriffen getötet worden, es gab 5252 Verletzte. Diese aktuellen Zahlen zeigen, dass sich das Ausmaß der Gewalt weiterhin auf einem katastrophal hohen Level bewegt.“

„Vor dem Hintergrund der hohen Zahlen ziviler Opfer ist nicht zu vertreten, dass weiterhin Menschen nach Afghanistan abgeschoben werden. Amnesty International fordert den Bundesinnenminister und die Innenminister der Länder dazu auf, den für morgen geplanten Abschiebungsflug abzusagen und von allen weiteren Rückführungen nach Afghanistan abzusehen. Jede Abschiebung nach Afghanistan stellt eine Verletzung des Völkerrechts und der Europäischen Menschenrechtskonvention dar. Denn kein Mensch darf in ein Land abgeschoben werden, in dem ihm wie in Afghanistan ein gewaltsamer Tod droht.“ 

In einer Amnesty-Petition haben sich knapp 30.000 Menschen für einen sofortigen Stopp der Abschiebungen nach Afghanistan eingesetzt. 

Flüchtlingslager auf Chios: Tote werden billigend in Kauf genommen

Das Flüchtlingslager Vial auf der griechischen Insel Chios im Oktober 2018 

Unterkünfte direkt neben einer Müllpresse, giftige Schlangen, mangelnde Versorgung und sexualisierte Gewalt: Die Zustände im Flüchtlingslager Vial auf der griechischen Insel Chios sind unmenschlich und eine Schande für Europa. Amnesty-Mitarbeiterin Franziska Vilmar war vor Ort.

https://www.amnesty.de/informieren/aktuell/griechenland-fluechtlingslager-auf-chios-tote-werden-billigend-kauf-genommen

MiGAZIN: Studie:Traumatisierte Flüchtlinge müssen behandelt werden

MiGAZIN

Studie: Traumatisierte Flüchtlinge müssen behandelt werden

Unter den Flüchtlingen in Deutschland gibt es einen großen Anteil von Menschen, die durch erlittene Gewalt traumatisiert sind und behandelt werden müssen. Eine Umfrage des Forschungsinstituts der AOK liefert eine Vorstellung vom Ausmaß der Aufgabe. Von Redaktion – 31. Oktober 2018 Drei Viertel der in Deutschland lebenden Flüchtlinge haben traumatische Erfahrungen gemacht, die sich bei vielen auf ihre Gesundheit auswirken. Vor allem die psychischen Leiden müssten behandelt werden, heißt es in einer am Dienstag in Berlin veröffentlichten Erhebung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, für die gut 2.000 Syrer, Afghanen und Iraker befragt wurden. Etwa jeder zweite Flüchtling in Deutschland kommt aus einem der drei Länder. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach von einer schwierigen Aufgabe, die man bisher unterschätzt und vernachlässigt habe.

Die traumatischen Erlebnisse verdoppeln der Studie zufolge die gesundheitlichen Probleme im Vergleich zu den Flüchtlingen, die keine Gewalt erleiden mussten. Fast jeder zweite befragte Flüchtling (48 Prozent) leidet unter psychischen Problemen. Diese zeigten sich als Niedergeschlagenheit und Antriebsschwäche oder als erhöhte Nervosität und innere Unruhe. Mehr als ein Fünftel zeigt Anzeichen einer Depression. Etwa jeder Dritte leide unter Schlafstörungen oder Rückenschmerzen.

Bei fast 70 Prozent der Befragten handelt es sich den Angaben zufolge um Männer, die meisten sind noch jung. Hochgerechnet auf die in Deutschland lebenden Flüchtlinge haben 600.000 Menschen verschiedenste Formen von Gewalt erlebt, viele mehrfach. An erster Stelle stehen der Befragung zufolge Kriegserlebnisse (60 Prozent), 40 Prozent waren Angriffen durch das Militär ausgesetzt. 35 Prozent mussten erleben, dass Angehörige verschleppt wurden oder verschwanden. Fast 20 Prozent wurden gefoltert, sechs Prozent erlitten sexuelle Gewalt.

Flüchtlinge belasten Gesundheitssystem „wenig“ Der SPD-Vizefraktionsvorsitzende Lauterbach sagte dem in Berlin erscheinenden „Tagesspiegel“, die Betroffenen seien „ein Leben lang chronisch krank, mit hohen Kosten und einem nicht unerheblichen Risiko für die Gesellschaft“. Es mache aber weder ökonomisch noch menschlich Sinn, auf fundierte Behandlungen zu verzichten. „Wer hier den Kopf in den Sand steckt, braucht sich nicht zu wundern über Zwischenfälle, die keiner von uns wünscht.“ Lauterbach betonte zugleich, dass die Flüchtlinge das Gesundheitssystem Deutschlands wenig belasteten. Sie seien, von den Traumatisierungen abgesehen, kaum chronisch krank und noch sehr jung. Die Beiträge, die der Staat für Flüchtlinge zahle, seien momentan deutlich höher als die durch sie verursachten Gesundheitsausgaben. Auch deshalb sei es nicht begründbar, wenn die Kassen nun forderten, die Traumabehandlung von Flüchtlingen aus Steuern zu finanzieren. Über die Kostenübernahme für Dolmetscher könne man allerdings reden, so Lauterbach. Behandlungsbedürftig Bei der Befragung der Flüchtlinge handelt es sich um die erste, für Gesamtdeutschland repräsentative Studie dieser Art. Den Autoren zufolge sind rund 150.000 Menschen aufgrund der erlittenen Gewalt behandlungsbedürftig, auch in Hinblick auf die Integrationschancen der Betroffenen. Über die Therapie sollten Ärzte entscheiden, schreiben die Forscher. Bisher entscheiden darüber vorrangig Sachbearbeiter in den Sozialbehörden. Flüchtlingen steht in der ersten Zeit in aller Regel nur eine Minimalversorgung zu.

Nur zwei Dritten der Befragten hatten laut Studie in den vergangenen sechs Monaten einen Arzt aufgesucht, knapp sieben Prozent einen Facharzt. Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, die Suche nach einem Arzt und die Verständigung seien sehr schwierig. In den psychosozialen Zentren, die sich um traumatisierte Flüchtling kümmern, werden nach Angaben der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft jährlich rund 17.500 Geflüchtete betreut. (epd/mig)